Zweiter und letzter Teil der Publikumsreaktionen auf unsere Frage, welche Weine die “Erweckungsweine” hin zum Weinenthusiasten waren. Und hier wird vor allem deutlich, wie sehr viele Väter dafür verantwortlich waren, Menschen, die heute sehr alt oder tot sind, liberale Männer, die ihre Lust am Genuss gerne an ihre Kinder weitergeben wollten – ihnen ist zu danken.
Die Siegerin oder der Sieger werden morgen ermittelt. Und: die sechs mit einreichenden Jornalistinnen und Journalisten sind von der Preisvergabe ausgeschlossen, denn sie schreiben professionell – und das bringt eben einen Vorteil, den wir hier nicht in die Waage werfen wollen.
Also: Das Weinvolk schrieb. Das Weinvolk liest. Eine kleine soziale Studie. Viel Vergnügen!
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stahlstadtkind. mostgeprägt. erster urlaub ohne eltern. irgendwo in italien. chianti. bumm, zack, in die goschn.
Meine Reise mit meinem Vater 1985 ins Tessin zu Angelo Delea und zur Cantina Giubiasco und dem Bucaneve (Merlot Bianco) war vollkommen unbekannt zu dieser Zeit der “Süssweine”.
Ich erinnere mich an einen Vouvray von der Domaine Huet, den ein Freund zu einem Abendessen Mitte der 90er mitgebracht hatte. Bis dahin war ich der Meinung, nur Rotweine würden schmecken. Aber der Huet war eine Offenbarung. Danach waren wir oft bei einer Weinhandlung in der Münchner Au, dem Falkenkeller. Der Besitzer überließ uns Studenten zu wahren Studentenpreisen Präziosen, an denen wir unseren Geschmack schulen konnten: Aligotes, Crozes Hermitages et al. Das war wie ein verwunschener Ort, an dem jedes mal ein neues Wunder kennengelernt werden konnte. Auch wenn diese Zeiten längst vorbei sind: Der Prozess findet immer noch auf eine andere Weise statt.
1993 Damals blutjunger Chef de Patie im ersten ( und wahren) Cafe MAK (Wien) und nicht den geringsten Tau (Ahnung) von gutem Wein. Bis ich eines Tages Alois Stangl kennenlernte.
Er war damals nebst Unger und Klein (Weihandlung in Wien ein Hauptlieferant und brachte ein paar Proben mit. Während der Verkostung bemerkte er meine Neugier und kam mit einer Flasche Roda 1 in die Küche „Kost einmal Burli!”
Das war der Beginn von vielen Kostproben und einer langjährigen Reise und Freundschaft mit Alois, der mich über die Zeit auf den meisten meiner Stationen begleitete und mir die Welt des guten Weines näher brachte.
Weihnachten 2008 ein fantastischer 94er Leoville las Cases, hat der freund der familie der immer mit uns Weihnachten gefeiert hat auf den Tisch gestellt. Hab das erste mal den Bohei der über Wein gemacht wird verstanden
Der erste Wein, der mich inne halten ließ: Irgendein Rosé von der Domaine Ott, den ich in dem Weinladen probieren durfte, in dem ich mir mit 17 ein paar Mark mit Kisten schleppen verdient habe. Der erste Wein, der mich dann fliegen ließ: Tatsächlich auch Lynch-Bages. 1996, glaube ich. Falsch etikettiert im KaDeWe für 29 Euro. Getrunken in meiner studentischen 28 qm-Häuslichkeit in Moabit.
Zum Ende des Studiums ne Flasche 1989 La Conseillante und Lynch Bages gekauft und getrunken. Mit Versuchsaufbau: Flaschen einen Tag vorher hinstellen, dann karaffieren, old school. War ne gute Kalibrierung. 1989 Consiellante noch heute groß. Lynch Bages sowieso.
Der erste Wein, der mir geschmeckt hat, war Ende der 70-iger Jahre ein Muga Riserva (Rioja), keine Ahnung, welcher Jahrgang! Dann kamen recht bald die Italiener! Bricco dell‘ Uccellone ist mir da auch in Erinnerung!
Es war ziemlich genau im Herbst 1984, in München. Wolfe und Gaby, zwei lebende Barriquefässchen, mit Armen und Beinen natürlich. Beides Akademiker, beide aus BaWü, die ihr ganzes Geld in Wein stecken, den sie in ihrem altersschwachen Renault 5 über die französische Grenze brachten. Die zwei hatten auch ein Händchen für Weine die es im Supermarkt zu kaufen gab. Da war der 1976 er Chateau Montrose in der halben Flasche, den es für fünf Mark im Kaufland gab. Und natürlich der 1981 Mazoyeres-Chambertin von Camus Père et fils den wir in Jacques Wein-Depot abgestaubt hatten. Natürlich zum Restposten Preis. Aber der Inhaber des Ladens in der Münchner Ingolstädter Straße – er hieß tatsächlich Jacques – hat immer wieder solche Flaschen in der Datenbank von Jacques gefunden. Ein 1982er Lynch-Bages bei Romeo Hofer im Allgäu ist mir auch immer noch im Gedächtnis, das war sicherlich das physischste Weinerlebnis meiner jungen Jahre. Gänsehaut all over. Es waren ganz sicher diese drei Weine, die dafür sorgten, dass sie wirklich alten Pullen in meinem Keller praktisch zu 100 % Franzosen sind.
Klassisch-deutsch: 2001 Thanisch Erben Thanisch Bernkasteler Doctor Kabinett, getrunken, 2006 im Haus meines damaligen Chefs, Chair für Comparative Literature der Princeton University. Denn, yes, an der Ostküste hat man immer an den deutschen Wein geglaubt.
Tattendorfer St.Laurent im Stifterl, Lehrzeit Hotel Sacher Wien …Petrus 1961 … Restaurant Chesa Pirani, La Punt, Engadin. Winter 1981 …eine Gruppe Araber hat die halbe Flasche davon mit Perrier gespritzt getrunken
der Rest war für mich.
Anfang der 90iger … Einstieg mit ersten Wow-Erlebnis: Conde Valdemar, Rioja Reserva (Jahrgang vergessen, der blieb dann auch gleich für ein paar Jahre mein Atelierswein) … zur besonderen Freude am Genuss gönnte ich mir immer wieder mal eine Flasche vom Knoll, Riesling, Smaragd Ried Schütt – und auf Einladung sind mir etliche Süße – Trockenbeerauslesen vom Kracher in bleibende Erinnerung …
Bei mir war es ganz simpel – in jungen Jahren Edelzwicker (den liebte mein Stiefvater und deshalb war er Kisten weise zu Hause – in solchen Mengen dass nicht aufgefallen ist, wenn eine Flasche fehlte ![]()
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) … ansonsten gab es in der Jugend Bier und Schnaps ( wie in Westfalen üblich ). In Wien und mit meinem Wiener Großvater waren es dann GV ( im Doppler ) und Spritzweine . Erst mit 20 wurde ich durch eine französische Freundin zum Weinliebhaber. Vor allem Elsass und Burgund – alles gut und schön! Dann sperrte mein Onkel sein Restaurant in Wiesbaden zu (der Ort, an dem ich kochen lernte – bei Alois Köpf, dem begnadeten 2Sterne Koch mit unfassbar innovativen Ideen). Mein Onkel besaß seinerzeit einen der größten Burgunderkeller Deutschlands. Und weil dieser Keller aufgelöst wurde kam ich in den Besitz von Weinen, die mein Leben verändern sollten. Es waren interessanterweise nicht die Schlachtschiffe wie Romanee & co, sondern die exzellenten Burgunder von kleineren ( damals fast unbekannten Winzern) , die mich teilweise faszinierten. In den 90ern durfte ich dann einen Margeaux aus der frühen 80er Jahren trinken, den ich bis heute nicht vergessen habe – unfassbar gut! Und dann kam der Champagner – in allen seinen Facetten … und der Wein geriet ins Hintertreffen. Bis heute bin ich dem Sprudel verfallen – mit allen Konsequenzen … Zuviel des Guten! ![]()
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Velich, Tiglat, in den 90ern.
Die Hausweine der Leute, die wussten wie es geht und die langen Gespräche darüber. Dann Riesling Kabinett Erdener Treppchen 1997 von Joh.Jos. Christoffel Erben als erstes ästhetisches Erlebnis durch Wein.
Meine erste Flasche Wein, mit 16, war so ein französischer Markenwein, mit schrägem Flaschenhals, keine Ahnung mehr, wie der hieß. Aber der Wein, der mich zum Weinenthusiasten werden ließ, war der 1986er Chateau Talbot, 1993 von meinem damaligen “Weinmentor” geöffnet, weil der mich, und 2 andere Weinfreunde mit Qualität kirren wollte. Hat funktioniert. Seitdem bin ich dabei.
Mein Erweckungserlebnis hatte ich mit 15 oder 16. Ich bin mit meinem Vater mit dem Rad in der Provence unterwegs gewesen. Nach einer langen Tour sind wir dann noch mit dem Auto in einen benachbarten Weinort, der mit absolut nichts sagte: Chateauneuf du Pape. Wir stoppten bei einem kleinen Winzer irgendwo am Ortseingang, mein Vater kaufte 2 Kisten und wir bekamen eine Flasche obendrauf geschenkt. Am Abend zu Merguez vom Grill bekam ich dann ungefragt ein Glas, dass ich eher zweifelnd probierte. Rotwein schmeckte mir damals nicht. Jetzt war ich war komplett geflashed. Das war so intensiv, fruchtig und süß ohne wirklich süß zu sein. Ich habe das heute knapp 20 Jahre später noch so präsent im Kopf, unglaublich. Das Weingut ist übrigens eher dritte Reihe. Aber immer wenn bei meinen Eltern eine Flasche geöffnet wird freue ich mich. Chateau Fargueirol, Jahrgang vermutlich circa 2004.
Zum Nerd wurde ich dann mit Anfang 20. Die ersten sehr sparsamen Studenten-Jahre waren vorbei, ich hatte einen Nebenjob, ein Stipendium und keine Geldprobleme. Deshalb konnte ich mich dann in die ersten Weingeschäfte wagen. In meiner Straße war ein kleiner Laden. Wie gut dieser Laden ist, habe ich erst Jahre später verstanden. Der Besitzer hat mich immer, wenn ich da war, alles mögliche probieren lassen. Von seinen Verkaufsschlagern, Highlights vor Feiertagen bis zu verrückten Raritäten die aus Proben übrig geblieben sind. Das unglaublichste vermutlich: ich konnte, einfach mal so, an einem zufälligen Nachmittag eine Ramonet 1er Cru Vertikale probieren. Auch hier wurde mir erst Jahre später klar, wie abgefahren das war. Und so bin ich dem Weinvirus dann nach und nach komplett verfallen.

