(Manfred Klimek)
Woche für Woche erscheint in der WELT AM SONNTAG unter dem Rezept der Woche eine Weinempfehlung von mir. Die ist präzise gesetzt, oft sehr bewusst verkostet – und doch bleibt sie leider ein bisschen nur Randnotiz. Im Gegensatz zur Kolumne, die wohl weit mehr Menschen lesen. Zeit also, diese Tipps einzeln zu veröffentlichen. In einer Weltlage, in der vielleicht nur noch Wein einzig Heilung bietet – ein paar Gläser lang.
Die Rezepte selbst bleiben hier, in diesem Text, unsichtbar. Aus Gründen des Copyrights. Was bleibt, ist der Wein – und die Freiheit, ihn stets neu zu denken. Ohne Vorgabe, ohne Zwang, ohne die übliche Pairing-Dogmatik, die hier ja die Tipps bestimmt
Fünf Weine also, die sich nicht erklären müssen. Sondern darauf warten, eingesetzt zu werden. Von Lesern, die wissen, dass gutes Pairing weniger mit Regeln zu tun hat als mit Neugier.
Passt perfekt: ein kräftiges Gericht. Da dünkt mir ein Experiment, das ich schon lange machen wollte. Ich hole eine Flasche trockenen, weißen Portwein aus dem Keller, den Dry-White von Dirk Niepoort (kein Jahrgang) – ein Klassiker jener Weine, die es schon Jahrhunderte gibt. Ganz so trocken wie angenommen ist er im Schluck dann nicht – das ist hier in Sachen Speisebegleitung von Vorteil. In der Nase Nüsse, braunes Toastbrot und gering Ananas und Heu. Und dann der etwas schärfere Geruch des Branntweins, der Portweinen traditionell zugesetzt wird – die Briten lieben das. Im Mund erstaunlich frisch, gewichtig, nicht primärfruchtig und auch sättigend. Ich trinke ihn, als Sakrileg, verdünnt mit etwas Sodawasser zum Kabeljau – perfekt!
Für € 11,49 bei www.silkes-weinkeller.de
Passt perfekt: Ein starkes Gericht. Artischocken, Serrano, viel Olivenöl und dazu ein fast schon neutral eingreifendes Spiegelei. Da sind zwei Seelen meines Gaumens herausgefordert. Erstens jene, die hier für einen ebenfalls kräftigen, salzig-mineralischen Wein Propaganda macht. Und zweitens jene, die ich heute vorziehe: jene, die nach einem eher neutralen, süffigen Wein ruft. Ich rufe also das „Prachtstück“ des Weinguts Metzger 2024 aus meinem Kühlschrank auf und schenke diese Cuvée aus Weißburgunder und Chardonnay in meine selten gebrauchten Gläser für junge Weißweine ein. In der Nase gering Steinobst, ein Tick Stachelbeere, ein Tick frisch gespülte Tupperware und dann, am Ende, verblüffend viel Pfirsich. Im Mund die Trinkfreude pur – passend zu den Temperaturen draußen.
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Passt perfekt: Hier kann ein Welschriesling sehr gut passen – und von jenen habe ich gerade sehr viele gute getrunken, die ich in einer späteren Kolumne hier im Blatt näher beschreiben will. Dann, wenn der Frühling so richtig dräut. Deswegen hole ich heute zu diesem Frühlingsgericht einen anderen Wein aus dem Kühlschrank, ein Wein der Sorte Alvarinho, der für mich mehr vor den Vorhang gehört als viele andere Vinho Verdes aus Portugal: den Alvarinho Deu-la-Deu 2024 der Kooperative Adega de Monaco. In der Nase zuerst ein Schub Südfrüchte, viel gekühlte, dezente Ananas. Danach sehr schnell auch grüner Tee (die Blätter), etwas Granatpfel zudem und ein Tick Campari. Im Mund enorm süffig mit der regional üblichen Portion Salz und einem kleinen Tick Negroni-Bitter, der mich rasch das nächste Glas einschenken lässt.
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Passt perfekt: Chili und Schnittlauch: da setze ich einen Rebsorten fernen Naturwein ein, der glänzend mit diesen beiden Geschmacksbomben und auch zu den Garnelen kombiniert: den Naturweiss Gutswein 2023 (Müller-Thurgau, Riesling, Silvaner, Weißburgunder) von Jule Eichblatt und Kai Schätzel (Weingut Schätzel, Rheinhessen), einer der besten und auch preisgünstigsten Naturweine Deutschlands – und mit 11,5% Alkohol erfreulich leicht. Kein Orange-Wein, wie die Farbe auch vermuten lässt: es wurden lediglich die Moste der Cuvée verschieden lang auf den Schalen erzogen. In der Nase grüner und weißer Tee, und ein Tick auch Oolong, dann trockene Wiesenkräuter, gering Steinobst, gering Thymian, gering Meerschaum. Im Mund saftig, präzise trinkanimierend und dann auch das Cremige der teilweise eingesetzten Florhefe (Sherry-Methode). Ein geglücktes Experiment eines neuen und völlig anderen deutschen Weins.
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Passt perfekt: Die Welt tanzt auf Vulkanen! So ist es nur logisch, einen Wein aus einer vulkanischen Gegend aus dem Keller zu holen: den I Vigneri Salvo Foti Rossi 2023 aus Sizilien. Der Vulkan, wir alle kennen ihn von seinen regelmäßigen Ausbrüchen, heißt Ätna und liefert perfektes Gestein für sehr salzige, aromatische und delikate Trauben. Die Cuvée aus Nerello Mascarese und Capuccio wird nach brutal traditioneller Methode ohne modernen Chi-Chi gekeltert und ist foglich erfrischend rustikal. In der Nase zuerst dramatisch Wacholder (wie bei Gin) dann Eukalyptus, Hagebutte, Sonnenblumen, Zwetschke, Blaubeere und Wiesenkräuter des Mittelmeeres. Im Mund (gekühlt bei ca. 12 Grad trinken) bekömmlich und unpreziös. Die beste Interpretation eine Landweins.
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Passt perfekt: Ich bin Wiener. Es gibt keine Wiener Küche – diese war und ist die Küche der gesamten Donaumonarchie. Und dann gibt es Salzburg. Liegt nicht an der Donau. Und ist für jeden Wiener ein Fremdkörper, der nach Bayern gehört. Aber: der Salzkammergut-Küche verdanken wir die Tafelspitzconsomme („Brühe“ sagte niemand bei Habsburgs Hofe). Und auch die Grießnockerln. Dazu, um endlich zum Wein zu kommen, passt ein einfacher Veltliner mehr als nur kongenial: ich hole den Grünen Veltliner Federspiel „Treu“ 2023 der Weinhofmeisterei von Mathias Hirtzberger aus dem Kühlschrank. In der Nase zuerst ein Tick Grapefruit, danach kurz Mandarine, dann schnell Aprikose, geringer Pfirsich und nicht gering Südfrüchte. Im Mund die Umarmung des kommenden Frühlings. Leider geil!
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