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Wein, Frieden, Nobelpreis – das Ziel der Wineparty

(Foto: ein Foto von fast vor 20 Jahren, dass die Epochen von Wein gut beschreibt: Wachter-Wiesler, 2008) Text von Claude Auguste Wir haben es schon einmal geschrieben, vor ein paar Wochen, ohne Trommelwirbel: Wein verdient den Friedensnobelpreis. Kein PR-Stunt, kein launiger Slogan zur Ablenkung, zum Amusement. Sondern ein Gedanke, der in den letzten Wochen gewachsen Read the full article…

(Foto: ein Foto von fast vor 20 Jahren, dass die Epochen von Wein gut beschreibt: Wachter-Wiesler, 2008)

Text von Claude Auguste

Wir haben es schon einmal geschrieben, vor ein paar Wochen, ohne Trommelwirbel: Wein verdient den Friedensnobelpreis. Kein PR-Stunt, kein launiger Slogan zur Ablenkung, zum Amusement. Sondern ein Gedanke, der in den letzten Wochen gewachsen ist.

Nicht, weil sich plötzlich alle an runden Tischen versammeln. Sondern weil klar wird: Der Wein ist eines der letzten Mittel, wegen dem man überhaupt noch an einem Tisch sitzen bleibt. Und das ist kein kleines Argument.

Wein trennt nicht. Wein verbindet. Er verlangt unsere Aufmerksamkeit, zwingt zur Pause, lädt ein, den Inhalt eines Glases auch zu teilen. Und gerade das macht ihn in unserer Zeit bemerkenswert. Denn wir leben in einer Gegenwart, die sich schneller empört als ein Glas eingeschenkt ist. Aber langsamer verzeiht als ein Fass vergärt. In dieser Gegenwart braucht es etwas, das nicht auf Effekt zielt, sondern auf Begegnung. Wein kann das. Nicht nur als Metapher – sondern als gelebte Praxis.

Deshalb halten wir an der Idee fest: Ein Personenkomitee, das den Friedensnobelpreis 2026 für den Wein vorschlägt. Und ja, das klingt für manche übertrieben. Für andere: überfällig.

Dabei wissen wir natürlich auch, gegen wen der Wein da antritt. Für denselben Friedensnobelpreis 2026 wurde jüngst – von niemand Geringerem als Benjamin Netanyahu – der frühere US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen. Die Begründung: Trumps Beteiligung an den sogenannten Abraham-Abkommen im Nahen Osten.

Doch ganz gleich, wie man politisch dazu steht: Es offenbart die Dringlichkeit, dem Friedensbegriff eine andere Dimension hinzuzufügen. Eine Dimension, die nicht auf geopolitischem Kalkül beruht, sondern auf menschlicher Nähe. Der Wein steht dabei nicht für Deals, sondern für Dialog. Nicht für Machtverhältnisse – sondern für Beziehungspflege im Wortsinn. Es wäre mehr als ein Zeichen, ihm auf dieser Bühne Gehör zu verschaffen.

Was den Wein schwächt, ist nicht seine Wirkung – sondern eine Verwechslung.

Seit dem 19. Jahrhundert, spätestens aber mit dem hygienischen Furor der Aufklärung und dem Kontrollbedürfnis der Moderne, wird Wein zunehmend in dieselbe Kategorie gesteckt wie destillierter Alkohol. Dabei trennt ihn mehr als nur der Alkoholgehalt von Spirituosen: Es ist die Kulturgeschichte, die ihn trägt. Der Wein ist keine Droge, sondern ein Kulturträger mit über sechstausend Jahren Geschichte. Ein Lebensmittel, das Teil von Ritualen, Religionen, Rechtsordnungen und Reifeprozessen ist. Kein Gin, kein Schnaps, kein Produkt der Raserei – sondern ein Medium des Maßes. Dass ausgerechnet der Wein heute unter pauschalen Abstinenzaufrufen mitleiden muss, ist historisch ungenau, politisch naiv und kulturell blind.

Es ist, als würde man Pergament mit Einweckpapier gleichsetzen – nur weil beide beschreibbar sind.

Natürlich ist ein Glas Wein kein politisches Instrument. Aber ein kulturelles. Und manchmal reicht genau das. Ein Glas Wein kann kein Problem lösen – aber es schafft einen Moment, in dem Lösungen überhaupt erst denkbar werden. Das ist mehr, als viele Gipfeltreffen zustande bringen.

Wir planen, diesen Gedanken im Herbst öffentlich weiterzuführen. Auch – und gerade – als Kontrapunkt zu einer Debattenlage, in der Genuss fast reflexhaft mit Verdacht belegt wird. Stichwort: Dry January. Der gute Wille hat mittlerweile Begleitmusik. Nur fragt man sich: Was genau wird da eigentlich gefeiert? Der Verzicht – oder das schlechte Gewissen?

Wir feiern lieber das, was bleibt: Gemeinschaft, Gespräch – Gärung.

Das Personenkomitee wird sich nicht aus PR-Profis und Branchenlobbyisten zusammensetzen. Sondern aus Menschen, die verstehen, dass Wein mehr ist als Ware: ein soziales Medium, lange vor der Erfindung von so Sachen wie Timelines in den Sozialen Medien. Ein Getränk mit Gedächtnis. Und mit Haltung.

Wein hat keine Stimme. Aber wir können ihm eine geben. Und vielleicht wird dann aus der alten Floskel vom „guten Tropfen“ wieder ein politischer Begriff: gut, weil verbindend. Gut, weil friedlich.

Gut, dass er so gut schmeckt. Unser Wein.