Es ist eine zuerst mal bescheuert und abwegig klingende Initiative: eine unabhängige Bewegung weltweiter Winzer und Weinschaffender zu gründen, die sich anschickt, das Jahrtausende alte Kulturgut Wein für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Von den Statuten her ist das möglich, wenn ein Personenkomitee als Einreicher dafür verantwortlich zeichnet.
Wenn die Welt brennt, wenn Ideologien aufeinanderkrachen, wenn sich die immergleichen Machtspiele, wie ein Theaterzirkus aufdrängen, dann gibt es genau eine Konstante, die sich nicht aus der Ruhe bringen lässt: Wein. Während sich Politiker anschreien, gießt ein Winzer irgendwo in Burgund, in der Pfalz oder in der Toskana seinen neuen Jahrgang ins Glas, schwenkt ihn, riecht daran, nimmt einen Schluck – und nickt. Die Welt geht unter, aber der Wein im Glas, der passt, der friedlich, besonnen und demokratisch macht – und für lessez faire im Denken sorgt.
Deshalb, höchste Zeit für eine längst überfällige Ehrung: Der Friedensnobelpreis 2025 oder 2026 muss an Wein und Winzer gehen. Weil Wein das älteste friedensstiftende Mittel der Menschheit ist. Und weil Winzer seit Jahrtausenden völkerverbindende Arbeit leisten, ohne dafür Milliardenhilfen zu kassieren.
Wein: Die diplomatische Waffe, die immer funktioniert
Kriege, etwa der Dreißigjährige Krieg, wurden mit Wein beendet. Bündnisse mit Wein besiegelt. Der erste internationale Handelsvertrag? Wahrscheinlich ein Abkommen zwischen zwei antiken Winzern, die feststellten, dass sich die Amphoren des jeweils anderen wunderbar verkaufen lassen.
Die Griechen schickten ihren Wein mit den Handelsflotten nach Ägypten. Die Römer verbreiteten den Weinanbau bis nach Germanien, weil sie auch an der etwas kälteren Mosel nicht auf ihren Rebensaft verzichten wollten. Klöster wurden zu Weinhochburgen, Päpste zu Weinverkostern, und bis heute kommen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft am schnellsten näher, wenn jemand eine gute Flasche aufmacht.
Religion, Philosophie, Revolte – immer mit Wein
Dionysos, Bacchus, Jesus – sie alle wussten, dass Wein mehr ist als nur ein Getränk. Im Abendmahl wird er als das Blut Christi getrunken. Nicht Wasser, nicht Tee, nicht Bier – nein, Wein. Warum? Weil Wein mehr kann. Weil er die Sinne schärft, Gespräche vertieft und den Moment größer macht. In Frankreich entfachte er Revolutionen, in Spanien wurde er zum Nationalheiligtum, und in Wien hat sich noch jede intellektuelle Runde spätestens nach dem dritten Glas darauf geeinigt, dass die Welt eigentlich gar nicht so kompliziert ist.
Winzer: Friedensarbeiter im Hintergrund
Während Staaten Milliarden in fragwürdige Friedensmissionen pumpen, leisten Winzer wahre Friedensarbeit – nur eben subtiler. Sie retten uralte Rebsorten, halten Landschaften in Schuss, bringen Menschen zusammen: Weinfeste, Weinreisen, Weinmessen – das sind die wahren diplomatischen Gipfeltreffen. Hier werden Freundschaften geschlossen, Kulturen ausgetauscht, Feindbilder abgebaut.
Und dann sind da noch die legendären Weinmomente in der Weltgeschichte: Der Vertrag von Maastricht wurde mit Bordeaux begossen. Beim Fall der Berliner Mauer floss deutscher Sekt in Strömen. Und die Friedensnobelpreisverleihung? Ohne eine ordentliche Weinkarte undenkbar.
2025 oder 2026: Wein für den Nobelpreis!
Wir haben Politiker mit Friedensnobelpreisen ausgezeichnet, die danach Kriege begonnen haben. Wir haben Institutionen geehrt, die ihren eigenen Bürokratieapparat kaum verstehen. Es wird Zeit für eine radikale Neuausrichtung: Der Friedensnobelpreis muss an den Wein gehen. Und an die Winzer, die ihn machen. Denn wenn irgendetwas die Welt zusammenhält, dann ist es das schlichte, aber ewige Ritual, eine Flasche zu öffnen, Gläser zu heben und gemeinsam zu trinken.
Alles was wir dazu brauchen, ist eine kulturpolitische und historische Referenz, die ein(e) Kulturhistoriker(in) und ein(e) Historiker(in) von Weltruf für uns schreiben. Ja: Das kostet etwas Geld, aber die ca 15000 Euro Honorare sind da gut angelegt und lächerlich gegen Werbebudgets, die ohnehin kaum wirken.
Friedensnobelpreis für Wein: Das ist keine Utopie. Das ist Jahrtausende alte Realität. Also, liebes Nobelpreiskomitee: Ran an die Flaschen! Die Welt hat es sich verdient.
Und vom Dry-January redet dann kein Mensch mehr.