(Wineparty Investigativ)
Der Wineparty wurde aus anonymer Quelle ein Brief zugespielt, der dem Tiroler Sommelierverband seltsames Verhalten (Freunderlwirtschaft) vorwirft. Wie wir wissen, ist der Tiroler Sommelierverband der mächtigste in Österreich – mit Abstand. Eine Prüfung der Wineparty hat ergeben, dass die erwähnte Anzeige tatsächlich vorliegt – und dass das Vorverfahren dazu von der Staatsanwaltschaft Innsbruck nicht eingeleitet wurde. Die Wineparty wird später mit Verfasser der Mail, den wir recherchiert haben, telefonieren. Und mit den Behörden in Innsbruck.
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“Ich schreibe euch anonym, weil es für mich große persönliche Risiken hätte, offen aufzutreten. Es geht um Vorgänge, die den Wettbewerb „Bester Sommelier Österreichs 2023“ und den Tiroler Sommelierverein betreffen.
Der Bewerb gilt als wichtigste Auszeichnung in unserer Branche. Viele Sommeliers investieren jahrelang Geld, Zeit und Leidenschaft in ihre Vorbereitung. Umso enttäuschender ist der Verdacht, dass der gesamte Wettbewerb – und vor allem das Finale 2023 – manipuliert wurde.
Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass ein Finalist bereits Wochen vor dem Wettbewerb über die konkreten Aufgabenstellungen Bescheid wusste.
- Menüfolgen, Serviceaufgaben und Weinfragen tauchten im Finale exakt so auf, wie sie zuvor in Nachrichten und Unterlagen angekündigt wurden – teils wortwörtlich.
- Details wie die exakte Anzahl der Gäste, die Zeitlimits und die Auswahl bestimmter Champagner waren dem Kandidaten bekannt.
- Diese Informationen kamen aus dem unmittelbaren Umfeld der Wettbewerbsorganisation.
Damit war der vermeintliche Überraschungseffekt, der Kern jeder fairen Prüfung, nur für die übrigen Kandidaten ein Hindernis. Für den späteren Sieger war vieles vorhersehbar und trainiert.
Nach dem Wettbewerb wurden weitere Punkte sichtbar, die schwer zu erklären sind:
- Der Sieger erhielt überraschend schnell eine Funktion im Verband.
- Funktionsträger verbrachten auffällig viel private Zeit im Umfeld seiner Familie.
- Weine aus dem Hotelbetrieb seiner Eltern wurden plötzlich als „Sommelier-Union-Weine“ österreichweit vermarktet.
Für viele wirkt dies nicht wie ein normaler Verlauf, sondern wie ein abgekartetes Spiel mit wirtschaftlichem Hintergrund.
Statt die Vorwürfe ernsthaft zu prüfen, stellen sich Verantwortliche in öffentlichen Schreiben als Opfer dar. Kritik wird als „zerstörerische Energie“ abgetan. Dass genau diese Personen die Prüfungen organisierten und Juroren auswählten, macht es noch schwerer, Vertrauen in die Strukturen zu haben.
Auch im Tiroler Sommelierverein, der eng mit dem Wettbewerb verflochten ist, bestehen massive Probleme:
- Keine Generalversammlungen seit Jahren – Transparenz existiert nicht.
- Vereinsgelder in Höhe von zehntausenden Euro wurden ohne klare Kontrolle im Umfeld des Präsidenten verwendet.
- Mitgliederzahlen wurden nach außen übertrieben dargestellt.
- Einnahmen bei Veranstaltungen wurden teilweise bar kassiert, ohne Belege.
Diese Punkte zeigen, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um ein System, das Macht und Vorteile konzentriert, auf Kosten der Glaubwürdigkeit der gesamten Branche.
Mittlerweile liegt eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck vor. Es ist zu befürchten, dass die Vorwürfe längst auch im Weltverband der Sommeliers angekommen sind. Sollte Österreich mit einem fragwürdig ermittelten Sieger internationale Wettbewerbe bestreiten, wäre der Schaden für unser Land und unsere Branche enorm.
Wir stehen an einem Punkt, an dem das Vertrauen in unsere Institutionen massiv beschädigt ist. Junge Sommeliers fragen sich, warum sie jahrelang trainieren sollen, wenn Sieger offenbar schon vorher feststehen. Die Branche verdient Aufklärung, und wir alle verdienen Fairness.”
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Der Inhalt des Schreibens ist mit Vorbehalt zu lesen. Doch das Schreiben ergänzend hört die Wineparty, dass der lettische Sommelierverband offenbar den Wettbewerb in Österreich (Wien) im November ausrichten wird. Ist das ein Eingeständnis eventueller Unzulänglichkeiten? Und was sagen die Sponsoren? Für die Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

