(Wineparty Investigativ)
Im Tiroler Sommelierverein tobt kein Streit mehr, sondern ein Krieg. Ein Krieg, der persönlich geführt wird: erbarmungslos, aber ohne offenem Visier – und der den langjährigen Obmann Norbert Waldnig inzwischen nicht nur als Funktionär, sondern als Mensch schwer trifft, wie wir in einem auch berührenden Telefongespräch selbst erfuhren. Bei Waldnig ist sofort spürbar: Hier hat sich einer einen langen Teil seines Lebens mit viel Herzblut und noch mehr Engagement der Ausbildung und Karriere Tiroler Sommeliers gewidmet. Und das war und ist richtig so, und dafür ist ihm, mit 61 Lebensjahren auch vor der Rente stehend, zu danken.
Waldnig gilt in Österreich seit Jahren als eine der prägenden Figuren des Berufsstandes – und sein Tiroler Verein als der mächtigste und erfolgreichste Österreichs. Doch ausgerechnet jene Nähe, die Waldnig stark machte, macht ihn nun verwundbar: Fast 15 Jahre lang war er Unterstützer von Suwi Zlatic, dem wohl prominentesten Tiroler Sommelier der Gegenwart. Und genau das wird jetzt zu einer Zerreißprobe.
Dass Zlatic sich mit Waldnig nun bis aufs Messer zerstritten hat, ist eben mehr als eine private oder Vereinsfehde. Es ist der Spiegel einer Politik, die der Tiroler Verein über Jahrzehnte betrieben hat: die Förderung einzelner Spitzensommeliers mit fast grenzenloser Unterstützung – und zugleich deren totale Vereinnahmung. Schon im Fall von Aldo Sohm, einem Vorläufer Zlatics und längst internationaler Star, zeigte sich, wie riskant diese Strategie ist. Talente wurden aufgebaut, ihre Egos befeuert, ihre Karrieren zur Chefsache gemacht – aber kaum abgesichert gegen den unvermeidlichen Neid, die inneren Spannungen, den menschlichen Verschleiß.
Heute schlägt genau das zurück. Wer einst außen vor blieb, wer sich zurückgesetzt oder ausmanövriert fühlte, stellt sich nun in Tirol an Zlatics Seite. Was als interne Machtfrage begann, ist zur offenen Front geworden: Zlatic und seine Gefolgsleute auf der einen, Waldnig und seine Getreuen auf der anderen. Und mitten in diesem Krieg stehen nicht nur zwei Männer, sondern ein ganzer Verein, der seit Monaten mehr Schlagzeilen produziert als Struktur.
Zu diesem Krieg gehört inzwischen auch der Vorwurf an uns, wir hätten in den Streit parteiisch eingegriffen – und zwar auf der Seite Zlatics. Der Tiroler Verein behauptet, unsere Berichterstattung sei ausschließlich auf Unterlagen gestützt gewesen, die uns Waldnigs Gegenspieler Zlatic, sowie ein in der Schweiz tätiger Sommelier anonym zugespielt hätten. Mit anderen Worten: Wir seien benützt worden.
Tatsächlich aber ist das Bild komplexer. Seit der ersten Veröffentlichung haben uns 16 Mails erreicht. Darin schildern Whistleblower Strukturen, Abläufe und persönliche Erfahrungen im Tiroler Sommelierverein. Manche dieser Nachrichten stammen von Personen, die sich offen zu erkennen geben, andere Mails sind anonym, und diese anonymen Mails, sachlich im Ton bis zum fast Geht-Nicht-Mehr, lassen sich durch Tonfall, Duktus oder konkrete Hinweise nicht zwingend Zlatic und seinem Umfeld zuordnen. Natürlich ist uns klar, dass eine eventuell eingesetzte KI auch für Zlatic und seine Mitstreiter exzellent formulierte und anklagende Mails schreiben kann. Doch wenn es so ist, dann zeigt das nur wie immens gut und professionell sich Waldnigs Gegner vorbereitet haben.
Genau das ist im Journalismus Alltag: Anonyme Hinweise sind nicht per se wertlos, sondern verlangen eine klare Methode: prüfen, abgleichen, verifizieren. Wir haben das getan. Dokumente, Fotos, WhatsApp-Protokolle und PDFs wurden datenforensisch gesichtet. Die Aussagen der Absender haben wir gegen andere Quellen gehalten. Wir wägen ab, was sich erhärten lässt – und was Spekulation bleibt.
Dass Zlatic und sein Umfeld den Konflikt mit Waldnig auch auf diesem Weg austragen, ist möglich. Aber es macht die Hinweise nicht irrelevant. Entscheidend ist nicht, wer sie schickt, sondern ob sie standhalten.
Inzwischen hat auch die Sommelier-Union selbst reagiert – allerdings nicht nur mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung über die Vorwürfe gegen den Tiroler Verein, sondern mit dem Hinweis, unsere Berichterstattung verstoße gegen das Presserecht. Ein schwerer Vorwurf, der jedoch ins Leere läuft. Wir stellen klar: Weder nach österreichischem noch nach deutschem Recht haben wir gegen presserechtliche Grundsätze verstoßen. Im Gegenteil: Wir arbeiten nach denselben Standards, die überall im investigativen Journalismus gelten – Quellen schützen, Dokumente prüfen, Fakten offenlegen. Und auch mit im ersten Artikel deutlich erwähnten Vorbehalt zu berichten ist gängige Handhabe. Dass die Union sich auf juristische Nebenschauplätze zurückzieht, statt die eigentliche Problematik anzugehen, ist bezeichnend. Wir behalten uns deshalb ausdrücklich vor, selbst rechtliche Schritte gegen die Sommelier-Union zu prüfen. Die Obfrau der SUA, Annemarie Foidl, ist selbst Tirolerin. Und mit ihren Mails an die Wineparty von vergangener Woche, wo sie und die Union das Reagieren auf den ersten Artikel übernommen hatte, hatte sie eine offene Kommunikation eher verhindert statt befördert, weil – so wissen wir – viele Telefonate stattfanden, wie man nun auf den Artikel zu reagieren hätte. Frau Foidl, eigentlich nie die Angesprochene, hat das ohne viel Federlesens selbst übernommen.
Mit der Rechtsmaßnahmendrohung versucht die Union auch die Veröffentlichung weiterer Unterlagen zu verhindern. Konkret geht es um einen anonym zugespielten Mailverkehr, der uns vorliegt und den wir – ganz im Sinne journalistischer Sorgfalt – sowohl an die Union als auch an den Tiroler Verein zur Stellungnahme weitergeleitet haben.
Hier zunächst der vollständige Wortlaut unserer Mail und des zugespielten Mailverkehrs:
Sehr geehrter Norbert Waldnig, sehr geehrte Annemarie Foidl.
Ich schicke hier aus einem recherchierten Mailverkehr. Ich bitte um Stellungnahme zu den Punkten bis Montag 10h. Diese Mails kamen aus einer Drittquelle, die ich nicht verifizieren kann. Deswegen brauche ich auch Informationen, ob diese Mails in ihrem Maileingang eingingen und gelesen wurden. Dank und Gruß mk
Mail an Annemarie Foidl ohne Antwort 03.09
Liebe Annemarie,
danke für deine Rückmeldung und dass du mir das Mail nochmals weitergeleitet hast.
Ich antworte erst jetzt, da mir die Nachricht doch sehr Nahe gegangen ist.
Ehrlich gesagt bin ich sogar sehr enttäuscht über die Entscheidung, dass diesmal Kollegen mit wenig bis keiner Wettkampferfahrung den Vorzug erhalten. Gerade weil du mir nach Budapest signalisiert hast, dass ich großes Potenzial habe und Österreich künftig international vertreten soll, fällt es mir schwer, diesen Schritt nachzuvollziehen. Das stellt für mich vieles in Frage, was ich bisher geleistet habe.
Zumal es nicht das erste Mal ist, dass sich die Situation so darstellt: bereits 2021 wurde mir gesagt, dass der Zweitplatzierte zur Europameisterschaft fahren könne, am Ende durfte ich aber nicht teilnehmen. Solche Entwicklungen sind schwer nachzuvollziehen, wenn man über Jahre Zeit, Geld und Energie investiert.
Umso wichtiger wäre für mich Transparenz:
- Nach welchen Kriterien wird über eine Teilnahme entschieden?
- Wer entscheidet diese Kriterien?
- Wie wird die Auswahl für Lissabon – WM 2026 getroffen?
- Welche Voraussetzungen erwartest du konkret von Kandidaten?
- Wird es in Zukunft eine Wettbewerbs-Mannschaft wie in anderen Ländern geben?
Ich habe Verständnis dafür, junge Sommeliers zu fördern, aber auch ich musste mich damals beweisen, um erstmals international über die Union antreten zu dürfen.
Darüber hinaus bewegt mich auch noch das Thema rund um den Wettbewerb 2023. Gibt es eine Ethik- oder Evaluierungsgruppe, die sich damit beschäftigt? Was ist der Stand der Dinge?
Ich halte es für sehr wichtig, dieses sensible Thema verantwortungsvoll zu behandeln, damit alle Beteiligten das Vertrauen in die Wettbewerbe behalten.
Abschließend möchte ich offen ansprechen, dass ich mich durch diese wiederholten Entscheidungen auch ein Stück weit diskriminiert fühle. Mich würde sehr interessieren, wie erfahrene Wettbewerbssommeliers wie René Antrag, Gerhard Retter, Aldo Sohm, Andreas Jechsmayr und viele andere zu diesem Thema stehen.
Mail vom 04. August an Herrn Waldnig
Schönen guten Morgen Norbert, guten Morgen lieber Vorstand,
vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung. Es ist positiv zu sehen, dass du zur Diskussion bereit bist und Transparenz als wichtigen Wert betrachtest.
Um auf diese Grundlage konstruktiv weiterzugehen, möchte ich einige konkrete Punkte zur weiteren Klärung vorschlagen:
Transparenz & Einblick für alle Mitglieder
Wie bereits angesprochen, ist ein persönlicher Termin bei Freddy zwar möglich, für viele Mitglieder jedoch geografisch und organisatorisch schwer umsetzbar.
Daher mein Vorschlag:
Veröffentlichung aller relevanten Dokumente im passwortgeschützten Mitgliederbereich der TSOV-Webseite oder Mailversand an alle Mitglieder.
Inklusive Jahresabschlüsse, Kassabuch mit Einnahmen/Ausgaben nach Posten, Protokolle der Vorstandssitzungen, Liste aller aktuell aktiven Mitglieder und Sponsoren, Beschlüsse zu Ausgaben wie Honoraren, Reisekosten, Sponsoring etc.
Ist eine Veröffentlichung dieser Unterlagen bis Sonntag, 31. August möglich?
Generalversammlung im August 2025
Angesichts der aktuellen Situation und der berechtigten Fragen aus mehreren Richtungen wäre eine ordentliche Generalversammlung noch im August ein wichtiges Signal für Zusammenhalt, Transparenz und demokratische Mitbestimmung.
Gibt es bereits ein konkretes Datum oder Plan für diese GV?
Falls nicht, wann wird diese erfolgen?
Wettbewerb 2023
Auch wenn du darauf hinweist, dass das Thema zur Sommelier Union Austria gehört, betrifft es dennoch auch das Vertrauen innerhalb des TSOV. Da Carole die Wettbewerbe organisiert hat und Max ein Mitglied ist. Du hast Unterstützung der Tiroler Kandidaten betont, dann betrifft dich und den Vorstand auch deren faire Behandlung.
Gibt es seitens des TSOVs eine interne Untersuchung oder Stellungnahme zu den Vorwürfen?
Wird der Vorstand mit der SUA oder ASI dazu aktiv kommunizieren? Ich bitte euch, es intern zu lösen. Die ASI hat andere Probleme derzeit und möchte persönlich nicht, dass ein schlechtes Bild international auf Österreich wirft.
Ist geplant, einen Ethik-Kodex oder verbindliche Richtlinien für zukünftige Wettbewerbe zu entwickeln?
Ich gebe zu, ich war nicht an diesem Wettbewerb beteiligt. Hier wollte ich den Ausdruck der Allgemeinheit ansprechen.
Einbindung der Mitglieder in Kommunikation & Außenwirkung
Du betonst den Fokus auf Weiterbildung. Dennoch schließt sich Weiterbildung und Sichtbarkeit der Mitglieder nicht aus.
Gibt es Pläne für Formate wie monatliche Vorstellung aktiver Mitglieder auf Social Media?
Einbindung von Sommeliers als Speaker, Trainer oder Autoren für Fachartikel?
Digitale Arbeitsgruppen oder Mitglieder-Foren via Webseite oder Social Media?
Weitere konkrete Fragen zur Klärung:
Du hast die Summe von ca. 180.000 EUR erwähnt.
Welche konkreten Pläne oder Strategien verfolgt der TSOV für den Einsatz dieses Vereinskapitals in Zukunft?
Welche Rechtsform hat der TSOV derzeit offiziell? Gemeinnütziger Verein nach Vereinsgesetz?
Du erwähnst, dass Rechnungen bei Nachfrage ausgestellt werden können. Gilt in Österreich nicht grundsätzlich eine Rechnungspflicht bei Einnahmen, insbesondere bei Veranstaltungen mit externen Teilnehmer/innen oder Sponsoren?
Trainer & Weiterbildung: Viele aktive Mitglieder, auch ich selbst, möchten ihr Wissen weitergeben. Wäre es dadurch nicht sinnvoll, eine Art internen Bildungsbeauftragten zu benennen, der gezielt Mitglieder kontaktiert, um ihre Kompetenzen zu erfassen und Weiterbildungsformate gemeinsam zu entwickeln?
Hättest du für mich die Kontaktdaten von Felix Carli und Markus Erd zwecks fachlichem Austauschs?
Ich habe in der Mitgliederübersicht keine Information zu Nicole gefunden. Ist Nicole aktuell ein zahlendes oder aktives Mitglied des TSOV? Falls ja, könntest du sagen, warum sie online nicht aufscheint?
Es kursiert das Gerücht, dass Egon Mark von der letzten Weinreise ausgeschlossen wurde. Stimmt das, und wenn ja, aus welchem Grund?“
Wie bereits bei der ersten Geschichte gilt auch hier: Der vorliegende Mailverkehr stammt aus einer anonymen Quelle und ist daher mit Vorbehalt zu lesen. Genau deshalb haben wir die Dokumente sowohl an die Union als auch an den Tiroler Verein zur Stellungnahme weitergeleitet.
Annemarie Foidl, Präsidentin der Sommelier Union Austria, bestätigte den Eingang des Mails – ging in ihrer Antwort aber kaum auf die konkreten Punkte ein. Ihre Stellungnahme lautet:
„Gerne teile ich mit: Benjamin Zimmerling (einer von Verein und Verband mit als Informant Verdächtiger, Anm. der Red.) war ein Jahr zuvor bei diesem Wettbewerb, gemeinsam mit Suwi Zlatic. Zlatic gewann. Wir wollten Zlatic kurz vor der Sommelier-EM die Gelegenheit geben, seine Form zu eruieren.
Zimmerling wollte wiederholt teilnehmen – nachdem es aber Sommeliers gibt, die weniger oder keine Wettkampferfahrung haben wie er, wird anderen Sommeliers die Möglichkeit geboten, Wettkampfluft zu schnuppern. Unser Wettbewerb wird im November stattfinden.
Das vorliegende Schreiben ist die Antwort von Benjamin Zimmerling auf meine Absage.
Dies erscheint uns nur fair und entspricht unserem Auftrag und unserer Einstellung, den Nachwuchs zu fördern. Anderen die Möglichkeiten nicht zu gönnen, die man selbst auch bekommen hat – nun ja… kein Kommentar.“
Anders Norbert Waldnig, Obmann des Tiroler Sommeliervereins. Er hat eine ausführliche Stellungnahme seiner Person an den Mailschreiber übermittelt. Er betont vor allem die bisherige Arbeit des Vereins und die Gefahr, dass der aktuelle Konflikt diese Leistungen überschattet:
Ich teile dein Bedauern zu 100 %. Historisch ist der TSOV immer von Vorstand zu Vorstand übergeben worden mit dem Ziel, unseren Mitgliedern die bestmögliche Qualität zu bieten. Persönliche Meinungsverschiedenheiten wurden immer auf kollegialer Ebene intern im Vorstand lösungsorientiert und zum Wohle unserer Mitglieder gelöst. Eskalation wie diese hat es in der 38-jährigen Geschichte des TSOV noch nie gegeben. Ich befürchte, es wird leider nur Verlierer geben. Wenn zwei sich streiten, ziehen sich die Dritten zurück – national und international. Schade, dass dieser Weg gewählt wurde.
Es scheint, dass dir hier wichtige Informationen zu unserer bisherigen hervorragenden Vereinsarbeit fehlen, welche ich dir sehr gerne gebe.
Wir haben in unserer letzten Amtsperiode 2022–2024 über 50 (!) vom TSOV organisierte Fortbildungen, Diplom-Sommelier-Updates, Competition-Trainings und Verkostungen zu diversen Themen organisiert. Über 2.486 Gastronomiemitarbeiter geschult, etliche Studienfahrten durchgeführt, z. B. in die Toskana, ins Piemont, ins Friaul, auf die Summa oder zur 100 % Champagne in München.
Mit ruhigem Gewissen kann ich hier behaupten, dass wir in Österreich weit führend sind. Wir haben alle gemeinsam etwas ganz Besonderes geschaffen. Ich habe viel recherchiert und festgestellt, dass der TSOV einer der aktivsten Sommeliervereine ist. Wir lieben und leben unser Thema der Sommellerie. Uns geht es in erster Linie immer um Mitglieder-Nutzen – und den gab es reichlich.
Mein ganzes Herzblut liegt in der Weiterbildung und Unterstützung der Sommeliers, fachlich und persönlich. Ich habe auch recherchiert, ob es national und international Sommeliervereine gibt, die kostenlos solche zusätzlichen Programme innerhalb des Vereins für den Nachwuchs bieten. Auch hier sind wir führend.
Die Qualität für die Unterstützung unseres Nachwuchses, den wir unseren Mitgliedern bieten, spricht für sich selbst. Die mittlerweile international gefragte Nachwuchstrainerin Carole Stein, von der du ja auch selber, vor allem in den COVID-bedingten Lockdown-Perioden, profitiert hast, bietet für den TSOV Wettbewerbsbetreuung für die Kandidaten an. In den meisten anderen Ländern müssen die Kandidaten solche Trainer aus eigener Tasche bezahlen.
Bezüglich der Sommelier-Stammtische hat das leider nicht so gut funktioniert. Suwi hat diese Aufgabe übernommen und es sicher seit dem Beschluss 2017 oft probiert. Er und auch andere konnten es dennoch nicht realisieren. Diesbezüglich arbeiten wir an neuen Konzepten, die vielversprechend sind und unsere jungen Sommeliers stark einbinden.
Mehr geht immer. Mit aktiven Mitgliedern, die ihre Mitarbeit anbieten und sich engagieren, schaffen wir es, diese Erfolgsbilanz weiter auszubauen. Es freut mich zu lesen, dass du dich hier interessierst, und ich würde mich auf eine Zusammenarbeit freuen.
Mit all den offensichtlichen Erfolgen von Nachwuchstalenten ist der TSOV-Fokus klar auf Aus- und Weiterbildung und Förderung unseres Sommeliernachwuchses gelegt. Ich habe gerade einen Vergleich mit ASI, MS, SUA und SUD sowie MW gemacht, und auch hier sind wir mit allen mehr als konform. Wir wollen uns nicht mit sozialen Medien verzetteln, sondern klar fokussiert und strukturiert bleiben. Ich bin da durchaus offen, bei der nächsten Vorstandssitzung drüber zu diskutieren und neue Ideen einzubringen, sodass der TSOV seine Leader-Funktion in Österreich weiter wahrnimmt.
Die beiden Stellungnahmen zeigen ein auffälliges Muster: Annemarie Foidl bestätigt zwar den Eingang der Mails, geht aber inhaltlich kaum auf die Fragen ein. Ihre Argumentation bleibt auf der Ebene der Nachwuchsförderung – nachvollziehbar als generelles Prinzip, aber keine Antwort auf die im Mail formulierten Punkte zu Transparenz, Auswahlkriterien und Ethik.
Norbert Waldnig hingegen legt eine breite Bilanz des Vereins vor, betont Zahlen, Veranstaltungen und die Führungsrolle des TSOV im österreichischen Kontext. Er schildert ein Bild von Aktivität, Engagement und Weiterbildung – alles zweifellos wichtig, aber ebenfalls eher ein Ausweichen. Weder zu den konkreten Vorwürfen rund um Wettbewerbe noch zu Fragen der Vereinsstrukturen findet sich eine klare, belastbare Stellungnahme.
Beide Antworten laufen somit auf dasselbe hinaus: Die großen Fragen nach Transparenz, nach internen Kontrollmechanismen und nach dem Umgang mit Kritik bleiben unbeantwortet. Was bleibt, sind Selbstbeschreibungen – einerseits knapp, andererseits ausführlich, aber ohne Substanz zur eigentlichen Sache. Genau das zeigt, wie schwer es dem Tiroler Sommelierverein und der Sommelier Union derzeit fällt, das Vertrauen ihrer Mitglieder mit klaren, überprüfbaren Antworten zu festigen.
Aber kommen wir zu einem weiteren Punkt, den Vorwurf, beim Training nicht chancengerecht gearbeitet zu haben – ein Vorwurf, der auch rechtlich relevant ist.
Dienstag Nachmittag haben wir mit Carol Stone gesprochen, einer international anerkannten Sommelier-Trainerin, die seit Jahren auch in Österreich tätig ist. Sie weist den Verdacht zurück, Kandidat Max Steiner im Vorfeld mit Insiderwissen versorgt zu haben. Bei dem PDF-Dokument, das uns zugespielt wurde, handle es sich nach ihrer Einschätzung eher um eine Mitschrift eines Vortrags, die Steiner Zlatic geschickt habe. Das Motiv: Beide hätten mit ihm trainiert. Stone betont zudem, für ihre Tätigkeit in Österreich nie ein Honorar verlangt zu haben und bestreitet ausdrücklich, sich auf ein einseitiges oder undemokratisches Coaching eingelassen zu haben. Diese Klarstellung von Stone bedarf der Recherche, inwieweit Zlatic diese Fotos eventuell manipulativ eingesetzt hat – auch das könnte rechtliche Folgen haben.
Wir werden die Recherchen in dieser Woche fortsetzen. Denn die Fragen sind nicht kleiner geworden – sie sind im Gegenteil größer, grundsätzlicher, und betreffen längst nicht nur Tirol.

