(Gerhard Ziegler / animated pic: runwayml)
Ein Telefonat mit Georgien, wieder mal: Mein Gegenüber Saba Kitiashvili sitzt irgendwo zwischen Feierabend und georgischer Weinmission. Er erzählt nicht in großen Schlagworten, sondern sehr konkret: über Studium, Forschung, Rebsorten, seinen eigenen kleinen Weingarten und einen Wein, den man inzwischen auch über 8000 Vintages in Berlin finden kann. Kitiashvili ist nicht nur Winzer. Er arbeitet auch als Sommelier, Ausbilder und Weinfachmann. Öffentlich bekannt wurde er als Chief Winemaker der CIU Winery „Ethno Okami“ und als Lecturer an der Caucasus International University. 2024 wurde er außerdem zum Best Sommelier of Georgia gewählt. Das passt gut zu seiner Geschichte: Bei ihm kommen Weinbau, Ausbildung und Vermittlung zusammen. Er will nicht nur einen Wein machen, sondern auch erklären, warum diese Sorte, der Muscat, so wichtig ist.
Am Anfang steht bei ihm nicht Marketing, sondern eine Masterarbeit.
“This passion started since I started to do my master’s degree in International Caucasus University.”
Kitiashvilia Thema war Muscaturi Rkatsiteli, eine neu gezüchtete georgische Rebsorte. Sie entstand aus Muscat of Alexandria und Rkatsiteli. Rkatsiteli ist eine der wichtigsten weißen Rebsorten Georgiens. Muscat bringt Aromatik, Duft, florale Noten. Genau diese Verbindung interessiert Saba.
“My master’s theme […] was the newly breeded Georgian grape sort Muscaturi Rkatsiteli.”
Georgien hat eine enorme Vielfalt an alten Rebsorten. Saba spricht im Interview von 525 autochthonen Sorten. Was ihm dabei auffiel: Aromatische Sorten spielten in Georgien bisher keine große Rolle.
“Georgian indigenous grape varieties […] there is a huge number, 525 old autochthonic grape sorts, but we did not have any aromatic grapes before.”
Muscaturi Rkatsiteli ist also nicht einfach „ein Muskat“. Es ist eine georgische Antwort auf eine Frage, die bisher kaum gestellt wurde: Wie kann eine aromatische Sorte aussehen, wenn sie aus georgischem Rebsortenmaterial kommt? Saba erzählt, dass in Georgien bereits in den 1970er-Jahren an neuen Rebsorten geforscht wurde. Muscaturi Rkatsiteli ist eines dieser Ergebnisse. Trotzdem ist die Sorte bis heute selten.
“Only a few hectares you will find the vineyards from Muscaturi Rkatsiteli.”
Für Saba blieb es nicht bei Forschung. 2019 gründete er seine eigene Firma Springfields. Er kommt aus Shida Kartli, einer Region in Zentralgeorgien mit moderatem Klima. Dort hatte seine Familie einen Pfirsichgarten. Die alten Bäume waren irgendwann am Ende. Also pflanzte er Muscaturi Rkatsiteli.
“We had the garden of the peaches […] we planted the Muscaturi Rkatsiteli in that garden. So now it becomes a vineyard.”
Ein schönes Bild: Aus einem Pfirsichgarten wird ein Muskat-Weingarten. Irgendwo in der Region um Gori. Kein großes Weingut, keine Industrie, sondern ein kleiner Ort, an dem eine seltene Sorte praktisch ausprobiert wird. Ein kleines Labor im besten Sinn. Saba arbeitet fast ausschließlich mit dieser einen Sorte. Aber er macht daraus verschiedene Weinstile: Schaumwein, trockenen Weißwein und einen süßen fortified wine.
“One grape sort can give you different types of wine.”
Seine Produktion ist sehr klein. Im Moment spricht er von ungefähr 2.000 Flaschen im Jahr. Die Sorte selbst beschreibt er als aromatisch, aber eher leicht.
“Muscaturi Rkatsiteli is a quite aromatic wine, but usually with a low sugar content and less body.”
Daraus ergibt sich sein Stil: keine schweren Weine, sondern frische, zugängliche, aromatische Weine. Muskat bedeutet für viele Menschen sofort Duft, Blüten, manchmal auch Süße. Bei Saba geht es aber nicht um einen einfachen süßen Muskatwein. Er sucht einen trockenen, frischen, floralen Stil, der gut in die Gastronomie passt. Wichtig ist ihm dabei die Vermittlung. Weil Muscaturi Rkatsiteli kaum bekannt ist, muss er die Sorte erklären. Er arbeitet mit Restaurants, Sommeliers und Köchen zusammen, damit sie verstehen, was sie im Glas haben.
“I’m always connected with the chefs and with the sommeliers to make them understand, truly understand what type of grape it is, because this is a new grape sort.”
Das ist ein zentraler Punkt: Saba ist Winzer, aber auch Vermittler. Er baut nicht nur Wein aus, sondern auch Wissen über eine Sorte, die kaum jemand kennt. Inzwischen, erzählt er, wächst das Interesse. Einige Menschen hätten begonnen, Muscaturi Rkatsiteli selbst zu pflanzen oder daraus Hauswein zu machen. Auch seine eigenen Reben kommen jetzt in die entscheidende Phase.
“This year I will have my own first crops.”
Im Keller arbeitet Saba bewusst zurückhaltend. Er verwendet Reinzuchthefen und Schwefel, sagt er offen. Gleichzeitig verzichtet er auf Filtration und Schönung. Stabilisiert wird mit Kälte. Seine Weine wurden laut Saba auch im Guide von Lisa Granik zu georgischen Weinen verkostet und in den letzten zwei Jahren mit Silber und Special Mention bewertet.
“It’s already two years that my wine is participating in the tastings, and now […] it’s taking the silver medal with a special mention.”
Saba Kitiashvili macht aus einer Masterarbeit ein Weinprojekt. Aus einem Pfirsichgarten wird ein kleiner Weingarten. Aus Muscaturi Rkatsiteli wird ein Versuch, georgische Aromatik neu zu erzählen. Muscaturi Rkatsiteli ist dabei nicht nur eine Rebsorte. Es ist der Fighter.
Und Saba? The Prince of Muscat.

