(Wineparty Investigativ)
(Bitte auch die aktuelle Ergänzung am Ende des Textes lesen)
Gestern haben wir über einen möglichen Skandal im Tiroler Sommelierverein berichtet. Dazu liegen uns Fotos, WhatsApp-Protokolle und PDF-Dokumente vor – allesamt Hinweise, die die Interpretation zulassen, dass Insiderwissen bei der Staatsmeisterschaft vorab verteilt wurde. Kaum war der Bericht online, brach eine Lawine über uns herein.
Wir wurden mit Interventionen überschüttet: Anrufe, Nachrichten, empörte Reaktionen – von Personen außerhalb des um Stellungnahme gebetenen Tiroler Präsidiums (der Tiroler Verein hat den Hauptverband, die Sommelierunion in Wien, vorgeschickt und unsere Mails mit Bitte um Stellungnahme nicht beantwortet). Dazu Klagsdrohungen – und zwar nicht wegen des Inhalts, sondern wegen Nebensächlichkeiten. Ernsthaft: Es wurde moniert, dass wir das Logo des Tiroler Sommelierverbandes gezeigt hätten. Als wäre ein Bildchen das Problem – und nicht die Vorwürfe, die im Raum stehen.
Wir haben uns deshalb nach einer morgendlichen Konsultation mit einem Medienanwalt in Berlin auf eine klare Vorgangsweise geeinigt. Erstens: Die uns vorliegenden Dokumente werden von einem Datenforensiker erneut überprüft. Ziel ist eine zweifelsfreie Feststellung der Echtheit. Eigentlich unnötig, weil die Kriterien einer Veröffentlichung bereits erfüllt sind. Aber wir wollen wasserdicht arbeiten.
Zweitens: Nach dieser forensischen Prüfung werden jene Personen, die in den WhatsApp-Chats namentlich auftauchen, mit den Ergebnissen konfrontiert. Niemand soll sagen können, er sei übergangen oder nicht gehört worden. Drittens: Eine unabhängige Kanzlei – außenstehend, nicht befangen – wird die Chats juristisch einordnen. Wir wollen keine Interpretation aus dem Bauch heraus, sondern eine belastbare Analyse.
Und noch eines: Unser Informant ist nicht die Person, die der Tiroler Verband sofort verdächtigte. Die schnelle Suche nach einem Sündenbock mag für interne Grabenkämpfe taugen, aber sie kann auch in die Irre führen.
Die österreichische Sommelierunion hat uns zudem darauf hingewiesen, dass Tirol und der Verband Opfer einer Kampagne einer Drittperson sind; eine Person, die in offener Fehde mit dem Tiroler Verband liegt. Dazu stellen wir fest: Erstens ist der Krieg innerhalb des Tiroler Verbandes nicht das Thema unserer Recherche – wird es aber jetzt! Zweitens sind die Tiroler dafür bekannt, auf Medienberichte mit grotesken Abwiegelungen zu reagieren. Erinnern wir uns: Nach dem Skandal um die exzessiven Skiort-Partys während Covid tönte sie dort allen Ernstes, man habe trotz hoher Infektraten „alles richtig gemacht“. Ein Satz, der damals Österreich erheitert und den Rest der Welt den Kopf schütteln ließ – und der bis heute als Symbol für Tiroler Realitätsverweigerung gilt.
Wir lassen uns von diesem Stil nicht anstecken. Wir recherchieren, wir prüfen, wir legen offen.
Gestern der Aufschrei. Heute die Forensik. Montag die Fortsetzung. Und dann in die zweite Runde. Vielleicht antwortet diesmal auch der Obmann des Tiroler Vereins. Was wir dann von ihm aber nicht hören wollen ist „alles richtig gemacht“.
Ergänzung 11h15: der Tiroler Vereinsobmann hat regiert. Im Telefonat erfuhren wir von Vorgängen in Tirol, die das Ausmaß einer griechischen Tragödie haben – und es ist eigentlich tatsächlich eine auch menschliche Tragödie, was dort gerade geschieht. Montag dann mehr).

