(Redaktion)
Zwei Jahre Wineparty. Zwei Jahre journalistsche Verantwortung gegen jene Gleichförmigkeit, die große Teile des heutigen Weinjournalismus längst befallen hat. Zwei Jahre Texte ohne Rücksicht auf PR-Sprech, Punktediplomatie oder jenes sterile Wohlverhalten, das inzwischen in der Genusswelt um sich greift wie in allen gesellschaftlichen Bereichen. Ein In-Deckung-Gehen und nur nicht anecken wollen. Wir wollen das nicht. Wir wollen anecken, wollen unbequem sein. Wir wollen echten, freien Journalismus leisten. Weil wir alle nie nur Weinjournalisten waren und sind – und nie nur Weinjournalisten alleine sein wollen. Das wäre Wein und Winzern unangemessen.
Die Wineparty war von Beginn an als Gegenmodell gedacht. Als Plattform für freien, objektiven, auch subjektiven, manchmal polemischen, manchmal euphorischen, aber immer unabhängigen Weinjournalismus. Für Texte, die nicht zuerst an SEO, Affiliate, Algorithmen oder Werbekunden denken. Sondern an Sprache, Haltung, Streit, Genuss, Kultur und Freiheit.
Das Problem dabei ist freilich: Freiheit bezahlt sich nicht von selbst.
Noch existiert die Wineparty als “Anhängsel”, als begleitetes Projekt einer auch mit anderen Themen beschäftigten Strategie- und Marktagentur, die, außer der Wineparty, sonst nichts mit Wein am Hut hat. Noch wird dieses Projekt von dort her neutral beobachtet quersubventioniert. Noch können wir uns den Luxus leisten, alle Inhalte gratis anzubieten, weil wir daran glauben, dass unabhängiger Wein- und Genussjournalismus eine Öffentlichkeit braucht. Eine echte Öffentlichkeit, nicht bloß oft anonyme Reichweite.
Aber wir nähern uns nun dem Ende des zweiten Gratisjahres. Und langsam muss sich entscheiden, ob die Wineparty alleine stehen kann. Die Stunde der ökonomischen Wirklichkeit ist gekommen. Es geht um die eigenständige Finanzierung der Wineparty, die ihre Fixkosten selber tragen soll. Zu den Fixkosten sei erwähnt, dass Chefredaktion und Geschäftsführung auch weiterhin pro bono arbeiten – also mit null Honorar – und folglich auch nicht Teil der Fixkosten sind.
Guter Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Texte kosten Zeit. Recherche kostet Zeit. Reisen kosten Geld. Gespräche, Verkostungen, Fotografie, technische Infrastruktur, Redaktion, Gestaltung – all das existiert nicht einfach magisch im digitalen Raum, nur weil die Leser sich an Gratiscontent gewöhnt haben.
Darin dämmert eines der Grundprobleme unserer Gegenwart: Freier Journalismus scheint vielen Menschen nichts mehr wert zu sein, solange er gratis verfügbar bleibt. Erst hinter einer Paywall entsteht plötzlich das Bewusstsein, dass hier Arbeit stattfindet. Dass Texte nicht vom Himmel fallen wie algorithmischer Contentmüll auf Social Media.
Wir wollen diesen Weg eigentlich vermeiden.
Wineparty sollte bewusst offen bleiben. Zugänglich. Lesbar. Teilbar. Eine Plattform, die ihre Leser nicht zuerst mit Bezahlschranken begrüßt. Doch völlig ohne eigene wirtschaftliche Basis, ohne Quersubventionierung wie jetzt der Fall, lässt sich ein unabhängiges Medium nicht dauerhaft führen – schon gar nicht eines, das sich bewusst außerhalb klassischer PR- und Anzeigenlogik bewegt.
Darum sagen wir das jetzt offen und ohne falsche Bescheidenheit:
Wenn Sie es begrüßen, dass Wineparty bleibt, was sie ist, dann unterstützen Sie dieses Projekt. Nicht aus Mitgefühl. Nicht aus Wohltätigkeit. Sondern weil Sie möchten, dass es weiterhin eine publizistische Stimme gibt, die sich nicht glätten lässt. Eine Stimme, die nicht geschniegelt klingen will, nicht auf Pressetextniveau herunterschreibt und auch nicht jeden Trend der Gegenwart brav mitapplaudiert.
Denn genau das verschwindet gerade vielerorts.
Die Medienwelt wird zunehmend vorsichtig, glatt und berechenbar. Weinjournalismus wird oft zu Produktverwaltung oder Lifestyledekoration degradiert. Konflikte werden vermieden, Sprache weichgespült, Kritik diplomatisiert. Genau dagegen ist Wineparty entstanden.
Deshalb wäre es schade, dieses Projekt irgendwann hinter eine harte Bezahlschranke stellen zu müssen.
Wenn genügend Leserinnen und Leser bereit sind, Wineparty freiwillig zu unterstützen und dafür eines der hier im Link beigestellten Angebote zu nutzen (wir werten die Unterstützerinnen und Unterstützer, wenn sie Winzer oder Weinhändler sind, sicher nicht nach der Höhe ihrer Unterstützung), kann dieses Projekt unabhängig weiterwachsen – vielleicht sogar größer werden, mit mehr Reportagen, mehr Reisen, mehr Essays, mehr investigativen Geschichten und mehr jener Texte, die anderswo längst keinen Platz mehr finden. Bitte klicken Sie im Bedarfsfall hier: https://wineparty.wine/subscription/. Wir danken jeder Unterstützerin, jedem Unterstützer.

