(Redaktion & Agenturmaterial)
Werner Näkel, Jahrgang 1953, ist tot. Mit ihm verliert das Ahrtal eine prägende Gestalt, und Deutschland einen Winzer, der wie kaum ein anderer für die Renaissance des Spätburgunders stand. Näkel gehörte zu jener Generation, die in den 1980er-Jahren den deutschen Rotwein aus der süßlichen Belanglosigkeit befreite und ihm internationales Format verlieh.
Als Werner Näkel 1982 das kleine Weingut seiner Eltern in Dernau übernahm, traf er eine Entscheidung, die in der damaligen Szene fast provokant wirkte: Er setzte kompromisslos auf trockene Spätburgunder und auf einen Stil, der sich an den besten Pinot Noirs aus Burgund orientierte, aber den Charakter der Ahr nicht verleugnete. Er experimentierte früh mit dem Ausbau auch im neuen Holz, damals ein gewagter Schritt, und etablierte damit eine Handschrift, die bald zum Markenzeichen wurde: kraftvoll, klar, auch elegant mineralisch, immer auf dem Fundament der Blauschieferböden seiner Heimat.
Sein Weingut stieg in den 1990er-Jahren zu einem der führenden Rotweingüter Deutschlands auf. Näkels Weine wurden vielfach ausgezeichnet, sie fanden ihren Weg auf die Karten selbst internationaler Spitzenrestaurants und trugen entscheidend dazu bei, dass die Ahr heute, trotz der Flutkatastrophe, weltweit als eine der großen Pinot-Regionen gilt. Dass das schmale Tal mit gerade einmal rund 560 Hektar Rebfläche internationale Strahlkraft besitzt, ist auch mit das Verdienst von Werner Näkel.
Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 stellte sein Lebenswerk vor eine nie dagewesene Prüfung. Binnen Stunden wurden Keller, Ernten, Infrastruktur zerstört. Auch Näkel selbst und seine Familie entkamen nur knapp den Wassermassen. Doch an Aufgeben war nicht zu denken: Mit Unterstützung der gesamten deutschen Weinbranche begann der mühsame Wiederaufbau. Symbolisch für diese Zeit standen die sogenannten Lost Barrels – Fässer, die von den Fluten weggespült, später geborgen und als Teil des neuen Jahrgangs vinifiziert wurden. Sie erzählten von Zerstörung, aber auch von Beharrlichkeit.
In den letzten Jahren hatte Näkel die Verantwortung zunehmend an seine Töchter Meike und Dörte übergeben. Sie führen das Weingut heute in fünfter Generation, kaufmännisch und önologisch eigenständig, und haben die Handschrift ihres Vaters nicht nur bewahrt, sondern weiterentwickelt. Das Weingut Meyer-Näkel ist heute international anerkannt, seine Weine gelten als Benchmark für deutschen Spätburgunder – präzise, langlebig, unverwechselbar.
Werner Näkel war kein lauter Mann, aber einer mit klarer Haltung. Er zeigte, dass deutscher Rotwein Weltformat haben kann, wenn man kompromisslos an Qualität glaubt. Er verband Tradition mit Mut zum Experiment, und er hinterlässt eine Weinwelt, die ohne seine Impulse anders aussehen würde.
Mit seinem Tod, mitten in der schwersten Rotweinkrise seit Jahrzehnten, endet ein prägendes Kapitel deutscher Weingeschichte. Doch sein Werk bleibt lebendig – in den Weinbergen der Ahr, in den Flaschen, die seinen Namen tragen, und im Schaffen seiner Töchter, die das Erbe weiterführen.

