(Redaktion, Reuters)
Es gibt Geschichten, die so unwahrscheinlich klingen, dass man sie eigentlich erfinden müsste – wäre da nicht die Realität, die sie uns liefert. Die neueste lautet: Ausgerechnet Grüne Veltliner aus dem Kamptal haben dazu beigetragen, Donald Trumps Zollpolitik ins Wanken zu bringen.
Wie im österreichischen Standard heute steht, war es ein kleiner US-Importeur, der das große politische Spiel sprengte. Victor Schwartz, Händler in New York, kauft unter anderem Grünen Veltliner in Niederösterreich. Sein Unternehmen Vos Selections war Erstkläger in einem Verfahren gegen Donald Trump. Ziel: die Aufhebung der neuen Importzölle, die Trump den Europäern aufbrummen wollte.
Dass der Kläger ausgerechnet Veltliner im Portfolio hat, entbehrt nicht der Ironie. Godfried Steinschaden, Winzer aus Engabrunn, sagte zum Standard: „Ich hab’ gar nicht gewusst, dass das Victor war. Aber eigentlich passt das zu ihm.“Ein Satz wie ein Schulterzucken – und doch steckt darin der ganze Witz dieser Geschichte: Ein Mann, ein Wein, eine Klage gegen das mächtigste Regime der Welt; erstmal erfolgreich.
Die Dimension ist nicht zu unterschätzen. Trump hatte zeitweise Strafzölle von bis zu 200 Prozent im Kopf. Wie im Standard zu lesen ist, wären solche Zölle für die Exporte „das Ende gewesen“. Stattdessen wurden es 15 Prozent – schlimm genug, aber verkraftbar. Steinschaden schickte in weiser Voraussicht einen Großteil seiner Jahresmenge früh über den Atlantik. Die Zölle teilte man sich mit den Importeuren. Für kleine Händler wie Schwartz sei das jedoch schwieriger, sagt Schwartz. Und genau deshalb klagte er.
Und gewann. Zuerst vor einem US-Bundesgericht, dann vor einem Berufungsgericht. Der Fall liegt nun beim Supreme Court. Doch schon jetzt, schreibt der Standard, „dürfte das Urteil weitreichende Konsequenzen haben – auch für Österreich.“
Plötzlich ist dieser Mann aus New York, der Grünen Veltliner importiert, eine Figur der Weltpolitik. „Schwartz ist mittlerweile so etwas wie eine Berühmtheit“, heißt es im Standard. Er tingelt von Interview zu Interview, saß schon im Podcast der New York Times.
Und hier beginnt die Pointe: Es waren nicht die großen Häuser in Bordeaux oder Burgund, nicht die Champagnerbarone oder die italienischen Lobbys, die Trump in die Schranken wiesen. Es war ein Händler mit Herz für Österreich. Ein Händler, der wusste, dass Grüner Veltliner in den USA nicht nur Nische, sondern Notwendigkeit geworden ist. Ohne Veltliner kein Seafood-Pairing, kein leichter Weißer zur Sommerküche, keine Alternative zum Chardonnay.
Man kann sagen: Trumps Zölle sind – vorläufig, leider sicher nicht endgültig, an der Realität eines Weins gescheitert, den er wahrscheinlich nicht einmal buchstabieren kann.
Und das ist eine Lektion. Wein ist nicht nur Genuss, er ist mitunter auch Politik. Er erzählt nicht nur Geschichten von Terroir und Klima, sondern schreibt Kapitel in den Annalen der Wirtschaftskriege. Dass Österreich darin eine kleine Hauptrolle spielen durfte, verdankt sich nicht der großen Macht Wiens oder Brüssels, sondern einem Mann in New York – und einer Rebsorte, die noch vor einer Generation als Provinzposse belächelt wurde.
Heute aber ist Grüner Veltliner Exportware, Kultflasche, und, wie man sieht, ein politisches Instrument. Wie im Standard nachzulesen ist, machen die USA mittlerweile 8,5 Prozent der österreichischen Exportumsätze aus – und sie wachsen weiter, während andere Märkte stagnieren.
Das ist kein Zufall. Das ist die stille Revolution einer Rebsorte. Und vielleicht ist es genau das, was wir kurz mal feiern sollten: dass ein Glas Veltliner mehr Macht entfalten kann als Trumps Twitter-Tiraden. Vorläufig. Und leider wohl nur von kurzer Wirklichkeit.

