(Manfred Klimek, Redaktion)
1. Mehr Leichtflaschen. Mehr gebrauchte Gebinde.
Die Winzer weltweit haben zu lange so getan, als sei Glas neutral und egal. Ist es nicht. Gewicht ist CO₂, Prestige ist Emission. Wer heute noch glaubt, schwere Flaschen stünden für Qualität, hat weder gerechnet noch zugehört. 2026 sollte das Jahr sein, in dem Leichtflaschen und wiederverwendete Gebinde nicht mehr erklärt werden müssen. Sie sind kein Verzicht und auch kein Downgrading. Wein braucht kein Muskelspiel.
2. Zimmer, Küche – mehr Kabinett.
Kabinettweine: Nicht als Nostalgie, sondern als Zukunft. Kabinett heißt: weniger Alkohol, mehr Trinkfluss, mehr Präzision. Vor allem aber: ein Geschmacksprofil, das einer Generation entgegenkommt, die Wein nicht kennt und ihn vielleicht entdecken will. 7,5 bis 9 Volumenprozent sind keine Schwäche. Sie sind ein Angebot.
3. Weg mit Lugana.
Oder zumindest: raus aus der Dauerrotation. Lugana ist zur Projektionsfläche geworden für alles, was bequem ist. Ein Weißwein, der wenig erzählt, außer von Nussigkeit, gelbem Plastik und der Beharrlichkeit des Immergleichen. Das ist kein Bashing, das ist bloße Ermüdung. Es gibt spannendere Weine, die dasselbe Geld kosten.
4. Eine Wahlniederlage für Viktor Orbán im April.
Nicht aus vorhandener, politischer Lust, sondern aus weinkultureller Notwendigkeit. Ungarn ist eines der spannendsten Weinländer der Welt. Tokaj, Somló, Szekszárd, Eger, Villany – all das hat internationale Relevanz. Doch politischer Lärm übertönt die Weine. 2026 könnte das Jahr sein, in dem ungarischer Wein wieder mehr über sich selbst spricht. Und in dem auch staatliche Fidez-Beteiligung an Weingütern ihr Ende haben sollte.
5. High-End-Rotweinpreise wie 1999.
Die Rotweinkrise ist real. Aber sie ist auch eine Korrektur. Vielleicht braucht es genau das: Preise, die wieder in Relation stehen. Große Weine dürfen teuer sein. Sie müssen es aber nicht sein, um groß zu sein. 2026 könnte ein Jahr werden, in dem relevante und große Bordeaux, Barolo oder Brunello wieder für eine Mittelschicht auch erschwinglich sind.
6. Mehr Sortenvielfalt – trotz weniger Konsumenten.
Paradox? Nur auf den ersten Blick. Gerade weil weniger Menschen Wein trinken, braucht er mehr Geschichten. Mehr Rebsorten, mehr regionale Identitäten, mehr Abweichung vom globalen Kanon. Sortendichte ist kein Problem. Eintönigkeit schon.
7. Mehr Experimente mit sehr leichten, trockenen Weinen (5–7 %).
Nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Diese Weine sind keine Kompromisse, sondern Antworten. Auf veränderte Essgewohnheiten, auf andere Tagesrhythmen, auf ein anderes Verhältnis zu Alkohol. Sie verlangen Können. Und Mut.
8. Die Suche nach dem „alkoholfreien Wein, der schmeckt“, beenden.
Das ist kein Fortschritt, das ist ein Rückfall. Ohne massive technische Eingriffe ist diese Idee nicht einzulösen. Und mit ihnen verliert Wein das, was ihn ausmacht. Wer alkoholfrei trinken will, soll es tun – aber bitte nicht auf Kosten der Integrität des Weinbaus.
9. Weinberge retten, bevor sie verschwinden.
2026 wird die Stilllegung von Rebflächen ein Thema sein. Ökonomisch logisch, landschaftlich fatal. Nicht jeder Hang ist austauschbar. Manche sind Gedächtnis, andere Identität. Wenn gerodet wird, dann bitte nicht dort, wo Landschaft mehr ist als Produktionsfläche.
10. Eine Internationale des Weinbaus.
Nicht als Verband, sondern als Bewegung. Eine Plattform, die über Preise, Alkoholpolitik, Landwirtschaft und Genuss spricht. Die sich einmischt, wenn Wein nur noch als Problem verhandelt wird. Genuss ist kein Nebenschauplatz. Er ist kulturell, sozial, politisch relevant.

